Die derzeit älteste Quelle, die das Bestehen einer Blasmusik in Ziemetshausen bezeugt, geht auf eine Zeitungsanzeige aus dem Jahr 1859 zurück. Es ist anzunehmen, dass schon während der Jahre vorher eine Musikkapelle bestanden haben muss, da dem aus dem Jahr 1859 belegten öffentlichen Auftritt jahrelanges Üben vorausgegangen sein dürfte.
Zeitungsanzeige
Einladung zur Ziemetshauser Blech-Musik
Wochenblatt für Krumbach und Umgebung
Auszug aus "Krumbacher Bote" 26. Jahrgang Nr. 82
(zugleich Amtsblatt für das königliche Bezirksamt und Landgericht Krumbach)
Anzeige im "Mindel- und Zusambote" Nr. 45
Um die Jahrhundertwende war die Ziemetshauser Musik eng mit dem Namen Peitscher aus Langenneufnach verbunden. Die Musiker, die aus dieser Familie hervogegangen sind, waren viele Jahre in Ziemetshausen tätig. Die Anfänge dieser musikalischen Familie reichen in die Anfänge des 18. Jahrhunderts zurück. Der Vater war um die Jahrhundertwende Militärmusiker. Fast 40 Jahre lang wurden die Ziemetshauser Musiker immer wieder von einem Peitscher-Sohn aus Langenneufnach dirigiert. Zum Haupt-Repertoire zählte die Tanzmusik. Als im Jahre 1920 der Bruder des damaligen Bahnvorstehers Karl Fischer in der Woche ein- bis zweimal aus Augsburg nach Ziemetshausen kam, erlebte die Ausbildung von Streichern einen starken Aufschwung. Casimir Fischer führte ein überaus strenges Regiment, das aber in kurzer Zeit Erfolg brachte.
Musikkapelle um 1900
Musikkapelle um 1900
Anzeige im "Mindel- und Zusambote" Nr. 50
Es wurden große Singspiele mit dem "Gesangverein Frohsinn" und dem "Ziemetshauser Streichorchester" aufgeführt, die ebenso wie die großen Orchestermessen (etwa 30!) weit über Ziemetshausen zu einem Begriff wurden. Die Streicher, Violine, Cello und Bass waren in gleicher Weise auch Könner in der Blasmusik. Solange Casimir Fischer in Ziemetshausen wirkte, erreichte hauptsächlich auch der Kirchenchor mit seinem froßen Orchester ein beachtliches Niveau. Anton Guntner aus Thannhausen erinnert sich noch genau: "Wenn wir einige Geiger für eine musikalische Aufführung brauchten, so fuhren wir nach Ziemetshausen, um solche herüberzuholen - es waren durchwegs gute Musiker."
Die Musiker der damaligen Zeit pflegten hauptsächlich die Marschrhythmen bei gemeindlichen Feste, sowie bei Beerdigungen; außerdem wurde auch Tanzmusik aufgespielt, die sich vornehmlich aus neun, dreizehn oder vierzehn Musikern zusammensetzte.
Mindel- und Zusambote
Lokales aus dem Bayernlande
Bei den verschiedenen Hochzeiten im Ort wurden immer wieder einige gute Musiker bevorzugt und schwächere ausgesondert, so dass es durchaus auch zu Streitigkeiten innerhalb der Ziemetshauser Musiker kam. Folgende Musiker aus dieser Zeit sind namentlich noch bekannt:
Josef Kramer, Michael Kusterer, Johann Miller, Hans Halbritter, Ludwig Klemm, Karl Liebhaber, Hyanzinth Maier, Georg Stegmann, Ludwig Aumann, Simon Frey, Georg Erdle, Xaver Ausberger (Cello). Im Jahre 1928 kamen Georg Spengler (Trompete) und Josef Vogele (Flügelhorn) dazu.
In der Chronik der Musikvereinigung seit 1808 in Thannhausen ist ein Hinweis zu finden, dass am 29. Mai 1927 die Ziemetshauser Blasmusik auf dem 110. Stiftungsfest der Krumbacher Musikvereinigung in der Gruppe Ib mit 17 Mann teilgenommen und dabei 95 Punkte errungen hat.
Am "Weißblauen Tag" am 22. Juli 1928 kam der bayrische Kronprinz Rupprecht nach Schloß Seyfriedsberg. Damals waren nach mündlicher Überlieferung die Ziemetshauser Musiker so zerstritten, dass bei der Feier die Thannhauser Blasmusik spielen musste. Einige tausend Schaulustige waren erwartet worden, so kamen jedoch nur wenige Hundert; zahlreiche Semmeln und Würste konnten nicht verkauft werden.
Am 20. Juli 1929 kam Musiklehrer Pinsch als Aufseher in die Fleischwerke Zimmermann nach Thannhausen. Er übernahm dann den Dirigentenposten der dortigen Blasmusik und kam auch jede Woche einmal nach Ziemetshausen. Dort leitete er im Rathaussaal eine Stunde lang im Stehen die Probe. Von der Gemeinde erhielt er pro Monat 10,- RM als Entgelt. Im Jahre 1930 wurde Dirigent Pinsch als Leiter einer Musikkapelle nach Trossingen berufen, so dass die Musiker aus Thannhausen und aus Ziemetshausen wieder ohne Dirigent waren. Als Aushilfe konnte Andreas Hoser, ein gebürtiger Breitenbronner, für die Zeit von 1931 bis etwa 1948 gewonnen werden. In dieser Zeit erfuhr die Musikkapelle wieder eine Verstärkung; etwa um 1932 kamen Josef Specht (Basstrompete) und Anton Häcker (Klarinette) hinzu.
Die Ziemetshauser Blasmusik 1933 begleitet den Mädchenturnverein "Weiße Rose".
Nach dem zweiten Weltkrieg kam der Brufsmusiker Erich Draeger nach Schellenbach. Im Jahre 1950 übernahm dieser dann die Ziemettshauser Blasmusik als Dirigent.
Die Mitglieder waren:
Vorstand Hyazinth Maier
Dirigent Erich Draeger
Vitus Knöpfle
Ludwig Aumann
Theodor Aumann
Michael Liebhaber
Erich Niesporek
Herbert Müller
Georg Spengler
Benno Greiner
Karl Weilbacher
Möschl (Dinkelscherben)
Simon Frey
Peter Stegherr
Benno Stegmann
Georg Stegmann
Theodor Haiß
Ludwig Aumann jun.
Alois Knöpfle
Franz Micheler
Georg Dippel
Josef Vogele
Josef Liebherr
Hans-Jürgen Drager
Ab dem Jahre 1949 bildete Zimmermeister Ludwig Aumann junge Musiker aus:
Theo Aumann jun., Vitus Knöpfle, Alois Knöpfle, Hermann Viehl, Fritz Egger, Franz Micheler, Erich Niesporek, Theodor Haiß;
diese jungen Musiker wurden dann zum Teil in die große Kapelle aufgenommen.
Die Ziemetshauser Blasmusik 1950 mit ihrem Dirigenten Erich Draeger (links vorne)
Ab 1950 wurde aus der Musikkapelle ein Verein gemacht, der jedes Jahr eine Generalversammlung abhält. Die Vorstandschaft bestand aus folgenden Mitgliedern:
1. Vorstand: Hyzianth Maier
2. Vorstand: Georg Stegmann
Schriftführer: Anton Häcker
Kassierer: Herbert Müller
Beisitzer: Sepp Liebhaber, Peter Stegherr
Dirigent: Erich Draeger
Im Jahre 1952 erspielte die Blasmusikkapelle Ziemetshausen auf dem Bundesmusikfest in Weißenhorn das Prädikat "sehr gut" in der Oberstufe. Dabei wurde die Ouverture aus "Norma" gespielt, Pflichtstück war der "Alpenländermarsch".
Die Blasmusikkapelle Ziemetshausen 1952 anläßlich des Musikfestes in Weißenhorn. Hinten v. l.: Benno Greiner, Peter Stegherr, Benno Stegmann, Theodor Haiß, Aumann, Alois Knöpfle, Franz Micheler, Georg Dippel, Josef Vogele, Karl Weilbach, Möschl (Dinkelscherben), Simon Frey, Hansjörg Draeger, Georg Stegmann, Josef Liebhaber; vorne v. l.: Hyazinth Maier (1. .Vorstand), Vitus Knöpfle, Ludwig Aumann, Theodor Aumann, Michael Liebhaber, Erich Niesporek, Herbert Müller, Georg Spengler, Erich Draeger (Dirigent)
Im Jahre 1952 wurde in der Turnhalle ein großes Konzert aufgeführt; nach dem Osterkonzert 1953 in der gleichen Turnhalle zog Dirigent Erich Draeger nach Mering bei Augsburg. Zum Nachfolger wurde der damalige 1. Flügelhornist Sepp Liebhaber gewählt. Aus Altersgründen dankte dann auch 1. Vorstand Hyazinth Maier im Jahre 1954 ab; neuer Vorstand wurde der Bassist Georg Dippel, dem bis zu seinem Tod 1959 eine vortreffliche Leitung bestätigt werden kann.
Bereits 1953 wurde die Jugendkapelle in die Blaskapelle integriert. Jeden Dienstag trafen sich die Musiker im Gasthaus Dippel zur Probe. Die Musikkapelle erreichte in diesen Jahren ein beachtenswertes Niveau, das bis 1964 gehalten werden konnte.
Die Blasmusik beim Trauerzug anläßlich der Beerdigung von H. H. Benefiziat Johannes Kött von Maria Vesperbild 1956.
Die Blasmusik auf dem Weg zum Volksfestplatz 1957.
Das 2. Volksfest 1958
Volksfest klang fröhlich aus
Ab 1958 wurde jedes Jahr am 1. Weihnachtsfeiertag ein Weihnachtskonzert veranstaltet. Von diesem Brauch wurde lange Zeit nicht abgewichen.
1959 wurde Gärtnereibetreiber Simon Frey zum Nachfolger von Georg Dippel gewählt, nachdem dieser durch einen tragischen Arbeitsunfall ums Leben gekommen war. Die Praxis hatte gezeigt, dass es von Vorteil ist, wenn der 1. Vorstand zugleich auch noch aktiver Musiker ist.
1960 kam es wieder zu einem Wechsel in der Vorstandschaft, die völlig neu besetzt wurde:
1. Vorstand: Georg Spengler (Uttenhofen)
2. Vorstand: Herbert Müller
Kassierer: Norbert Schmid
Schriftführer: Anton Häcker
Beisitzer: Martin Schmid (1. Bürgermeister), Karl Weilbacher und Arthur Ostrowsky
Dirigent: Sepp Liebhaber